Zeit ist dein Freund

Zeit ist dein Freund

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Zeit ist dein Freund

Wenn die ganze Welt sich Sorgen um die Entwicklung deines Kindes macht, ist das Wichtigste, das du tun kannst, ruhig zu bleiben. Und ich weiß, wovon ich spreche.

Meine allerbeste Jugendfreundin ist eine bekannte Kinderpsychologin. Eines Tages erzählte ich ihr, dass mein Kind von der Schulbetreuerin in eine Förderklasse vermittelt worden war, mit Förderplan und Förderstunden. Sie reagierte aufrichtig: wie besorgniserregend. Und mir wurde klar, dass ich kein Kind mehr hatte. Ich hatte ein Förderkind.

Sorgen sind ansteckend

Sie verbreiten sich schnell. Die Lehrerin bemerkt, dass etwas anders verläuft. Mit einem besorgten Gesicht wirst du an ein professionell besorgtes Gesicht weitergeleitet. Von dort landest du in besorgten Wartezimmern. Mit besorgten Fragebögen, besorgten Tests, besorgten Berichten. Und mit besorgten Augen bringst du dein Kind abends ins Bett. Inzwischen wissen die ganze Familie, die Schule und der Freundeskreis Bescheid. Was für eine Sorge. Dieses Kind. Du bekommst sogar neue Sorgen-Freunde.

Sei doch einfach mal durchschnittlich

Noch eine Geschichte. Irgendwann saß ich mit meinem Kind beim Physiotherapeuten. Meinem Sechsjährigen wurde gebeten, seine eigene Leistung mit einer Note zu bewerten. Vieles in der Förderung verliert das menschliche Maß, alles muss bewertet und gemessen werden. Offenbar ist es sehr wichtig, dass das Kind das Problem auch selbst als Problem erlebt. Mein Kind war nun aber außerordentlich positiv, was seine eigenen Leistungen betraf. Well done, Mammy. Du ahnst, was kommt. Das war besorgniserregend. Denn, erklärte die Therapeutin, wenn er kein Problem wahrnimmt, ist seine Therapiebereitschaft gering. Die Lösung: wir sollten ihm doch einmal klarmachen, wie weit er zurückliege. Mit anderen Worten: fang auch du an, dir Sorgen zu machen, Junge. Du bist jetzt sechs Jahre auf der Welt. Zeit zu erkennen, dass du nicht mit dem nationalen Durchschnitt der motorischen Entwicklung mithalten kannst. Vergiss das Geburtstagsparty heute Nachmittag. Hier wird an dir gearbeitet. Wenn du wieder durchschnittlich bist, darfst du zurück in die Welt.

Worüber wir entscheiden können

Sorgen um dein Kind treffen dich hart. Denn dieser kleine Mensch ist das Wichtigste in deinem Leben. Dieser kleine Mensch ist in dir gewachsen. Und alles, was du dir für dieses schöne Kind wünschst, ist ein gutes Leben. Weil sein Glück dein Glück ist. Aber dein Glück ist auch seines. Und wenn wir davon ausgehen, dass wir nicht über das bestimmen, was uns widerfährt, bin ich zutiefst davon überzeugt, dass wir die großen Dinge in unserem Leben nicht wählen können. Wohl aber, wie wir damit umgehen. Und das Schöne ist: mein Kind hat mir selbst gezeigt, wo die Antwort lag.

Folge dem Leichten

Ich erinnere mich an die Tage, an denen die ganze Welt besorgt war. Anrufe aus der Schule. Lebenslange Diagnosen. Missglückte Kontakte mit anderen Kindern. Und doch gab es immer wieder etwas, das die Sorge wegnahm. Die Freude, wenn ich in seine Augen blickte. Die Liebe, die immer strömte. Das Vertrauen und die Lebensfreude, die er zurückgab, sobald seine Augen meine suchten. Und ich spürte: dort lag die Antwort. Denn dort war es immer hell. Eine Leichtigkeit, die in scharfem Kontrast zur Schwere der Erwachsenen um uns herum stand. Ein Unterschied, den ich zusammenbringen wollte. Zusammenbringen musste. Da eine unbewohnte Insel keine Option war.

Die richtigen Sorgen

Es gibt konstruktive Sorgen. Die nenne ich Vertrauen. Und destruktive Sorgen. Die nenne ich Angst.

Von der zweiten Art gibt es viel mehr. Sie leben im Schnellkochtopf, verbreiten sich schnell und bringen dich keinen Schritt weiter. Deine neue Identität wird zur Sorge. Mit allem, was das mit sich bringt. Es fühlte sich an, als würde ich das aufgeklebte Etikett mit noch mehr Nägeln befestigen. Ich nahm die Dynamik aus der Entwicklung heraus. Was eine Sorge war, ist eine Sorge und wird immer eine Sorge bleiben.

Konstruktive Sorgen wurzeln in Liebe und Vertrauen. Sie glauben an Wachstum und an die Hilfe der Zeit. Sie garen langsam. Ich habe sehr bewusst Menschen um mein Kind gesucht, die Vertrauen haben. Menschen, die mich nicht durch Checklisten und Meilensteine hetzen. Manche Kinder sind in allem eine Acht. Manche Kinder sind in manchen Dingen eine Vier und in anderen eine Dreizehn, wenn sie acht Jahre alt sind. Diese Kinder tragen alle Farben des Regenbogens. Ich dosiere die Anzahl der Therapien bewusst. Und ich wähle sie nicht nach ihrer feststellenden, sondern nach ihrer einladenden Art. Ich bitte die Menschen um uns, nur eine einzige Brille aufzusetzen: lasst uns diesem Kind gemeinsam geben, was wir allen Kindern geben. Eine Einladung zum Wachsen. (Jetzt weißt du auch, wie ich auf diesen wichtigen Satz für Wobbel gekommen bin.)

Zeit ist unser größter Verbündeter.

Wenn der Sturm kommt, bleibe ich ruhig. Ich finde meinen Kurs in dem kleinen Glanz in seinen Augen. Gemeinsam unterwegs. Rote Wangen. Alle Zeit der Welt. Bereit, sie zu färben.

Was für ein Abenteuer.

Beim nächsten Mal nehme ich euch mit in meine Überzeugung, warum Kinder, die alle Farben des Regenbogens tragen, so unglaublich wertvoll sind.

Dieser wöchentliche Blog wird von Hannelore geschrieben. Mutter von drei Kindern und Gründerin von Wobbel. In ihrem Blog nimmt sie euch mit in ihre Erlebnisse und Gedanken rund um die Einladung zum Wachsen, die wij als Eltern gestalten. Möchtest du antworten? Du erreichst sie unter [email protected]


 
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